JournalEva Burdackdeutsch

Ein Baumhaus

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Ein Baumhaus
 

Es gibt viele von uns. Wir leben in Großstädten und große Städte – sind dicht besiedelt. Eng.
Wir suchen in Großstädten. Einen Ruheort, ein Zuhause. Es gibt wenig Raum und viele von uns. Platz – ist hart umkämpft.
Wir leben zwischen Baustellen. Es gibt viele davon und viele in uns. Baustellen – sind um uns herum und in uns drin.

Wir alle bauen und
Leistung scheint unser Fundament zu sein.
Und es ist sicher nichts falsch daran, ein starkes, tragendes Fundament zu haben, tief verankert zu sein.
Also graben wir tief.
Das wird uns später Halt geben. Noch ein Stück tiefer. Aber ist es nicht so:
je tiefer wir graben, desto mehr Raum gilt es zu füllen. Tageslichtbad? Dachterasse? –
‚Ist in Planung! Kommt in der dritten Bauphase – wenn das Fundament steht und die erste Etage!’, freuen wir uns.

*

‚Ein Fundament ist wichtig’, betonen wir und
betonieren uns ein und

eines Tages sitzen wir da. Müde, ausgelaugt.
Eingemauert- Tageslicht? Dachterasse?
Kopfschütteln.
Nur ein starkes Fundament – im Grunde ein Keller.
Müde sitzen wir da
Und um uns herum: Ansprüche und Anforderungen wie Mauern. Schwerer Beton.
Müde lehnen wir uns an und schrecken zurück. Kalter Beton.
Kopfschütteln.
Kein Ruheort, kein Zuhause.
Das haben wir uns anders vorgestellt. Das sollte alles so schön werden! 

Und
ich werde wütend
Bloß weg mit dem Bauplan.
Planlos.
Los!
Ich baue jetzt. Ich baue jetzt drauf los.

Dort auf der Wiese, hinter dem Maisfeld, ganz nah am Waldrand.
Komm mit – ich zeig Dir meine
Baumstelle.

Oh, und die Schuhe bitte ausziehen.
Komm mit – ich zeig Dir mein Baumhaus.
Mein Baumhaus hat kein Fundament. Aber die schönste, grüne Aussicht.